730 Jahre Hansestadt Riga

10.06.2012

Der Roland vor dem SchwarzhäupterhausRiga wurde 1201 von dem aus Bremen stammenden Albrecht von Buxthoeven, dem ersten Bischof Rigas, gegründet. Nur wenige Jahrzehnte später, nämlich 1282, trat Riga bereits der Hanse bei und kann daher 2012 das Jubiläum "730 Jahre Hansestadt" begehen. Ein dreitägiges Stadtfest mit Veranstaltungen überall in der Stadt wird aus diesem Anlass vom 17. bis 19. August 2012 in Riga gefeiert.

 

Riga war eine bedeutende Handelsmetropole und war schon damals für die Verhältnisse des Mittelalters eine Großstadt. Für die wirtschaftliche Entwicklung spielte nicht nur der geschützte Hafen eine wichtige Rolle, sondern auch die Lage an der Daugava, zu deutsch Düna, dem größten lettischen Fluss, der bei Riga in die Ostsee mündet. Die Daugava war eine wichtige Verkehrsader zur Erschließung des Hinterlandes und diente als Verbindungsweg über die Flußsysteme von Wolga und Dnjepr bis tief nach Russland hinein. Trotz ihrer Bedeutung war die Hanse ein lockeres Bündnis und es existiert daher kein konkretes Datum zu Gründung der Vereinigung selbst. Doch zumindest für die Städte Lübeck, Rostock und Wismar lässt sich ein Datum festmachen: Die Städte gründeten am 6. September 1259 per Vertrag das sogenannte Wendische Quartier, auf dem das spätere System der Hanse im Ostseeraum aufbaute. Riga war mit seinem Beitritt 1282 also ein sehr frühes Mitglied der Hanse und nahezu von Anfang an dabei, was die große Bedeutung der Stadt unterstreicht.

 

Die Hanse war im Mittelalter der wichtigste Machtfaktor im Ostseeraum. Sie entwickelte eine gemeinsamen Wirtschaftspolitik, einheitliche Maße und Gewichte und mit dem lübischen und dem hamburgischen Recht auch eine gemeinsame Rechtstradition. Die Hanse wurde auch zu einem politischen Bündnis, das erfolgreich Kriege führte, um seine Interessen durchzusetzen. Ihre Blütezeit erlebte sie im 13. und 14. Jahrhundert. Der wirtschaftliche und militärische Einfluss war jahrhundertelang ungebrochen - solange bis mit dem Aufstieg anderer Regionen wie England und Spanien zu Weltmächten der Niedergang der Hanse begann. 1669 fand zum letzten Mal ein Hansetag statt.

 

Bis in die Gegenwart hat die Hanse ihre Spuren hinterlassen. Es gibt bis heute überregionale Gemeinsamkeiten in der Architektur, der Kunst und im Städtebau, wie beispielsweise die Backsteingotik. Auch ein einheitliches Lebensgefühl rund um die Ostsee ist erhalten geblieben: Als Norddeutscher fühlt man sich bis heute fast heimisch wenn man in die alte Hansestadt Riga kommt.

 

Merian RigaSeit 1980 gibt es mit den internationalen Hansetagen der Neuzeit ein weiteres Zeichen der Zusammengehörigkeit zwischen den Hansestädten. Allerdings hat die „Wiederauferstehung“ der mittelalterliche Hanse in Form dieser internationalen Treffen in der Öffentlichkeit bislang noch nicht allzuviel Aufmerksamkeit erlangt. Die Geschichte ist kurz erzählt: Die niederländische Stadt Zwolle hat 1980 ihren 750. Jahrestag gefeiert und die ehemaligen Hansestädte dazu eingeladen. Die Vertreter aus 43 Hansestädten haben am ersten Treffen teilgenommen und die Hanseidee auf eine moderne Weise rekonstruiert. Zum Zentrum der neuen Hansebewegung wurde Lübeck, auch schon im Mittelalter „Hauptstadt“ der Hanse. Mittlerweile haben sich mehr als 178 Städte aus 16 Staaten der modernen Hansebewegung angeschlossen, darunter acht Städte aus Lettland. Einmal im Jahr trifft man sich nun auf dem gemeinsamen Hansetag der Neuzeit, 2012 in Lüneburg. Die letzten Hansetage im Baltikum fanden im estnischen Pärnu und im litauischen Kaunas statt.

 

Wer sich für die Geschichte Rigas interessiert, dem sei ein Besuch des Museums für Rigaer Stadtgeschichte, innerhalb des Domkomplexes gelegen, empfohlen. Mehr Hintergründe zur Hanse finden sich im kürzlich veröffentlichten und sehr empfehlenswerten Buch "Die deutsche Hanse - Eine heimliche Supermacht" von Gisela Graichen und Rolf Hammel-Kiesow, das bequem und direkt bei Amazon.de bestellt werden kann.

 
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