Schloss Rundale

Das Schloss Rundale, Pilsrundāle auf Lettisch, wurde im achtzehnten Jahrhundert von einem der größten Architekten der Welt, Francesco Bartolomeo Rastrelli, gebaut. Der heutige Name der Ortschaft Rundāle leitet sich vom deutschen Ortsnamen Ruhenthal ab. Rastrelli wurde vom Herzog von Kurland und Semgallen, Ernst Johann von Bühren, beauftragt, einen Sommerpalais in Südlettland zu errichten. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1736. Als Chefarchitekt des russischen kaiserlichen Hofes war Rastrelli bereits an einer Reihe von Großprojekten beteiligt, darunter am berühmtesten, dem Winterpalast in Sankt Petersburg.

Es mag merkwürdig erscheinen, dass ein solches Großprojekt jemals außerhalb von Russland in Auftrag gegeben wurde, aber das hatte sehr viel damit zu tun, dass von Bühren der damalige Chefberater der russischen Kaiserin Anna Ioannowna war. Es wird spekuliert, dass er auch ihr Liebhaber war – jedenfalls erhielt das Projekt grünes Licht kurz nach dem Tod von Peter dem Großen und nachdem Anna begonnen hatte, sich auf ein kleines Team von meist deutschen Beratern, einschließlich von Bühren, zu stützen. Rund 1500 Handwerker verließen Sankt Petersburg und begannen mit dem Bau des grandiosesten Architekturprojektes, das das Baltikum je gesehen haben.

Der größte Teil des Baus im Schloss Rundale dauerte von 1736 bis 1740, obwohl oft vergessen wird, dass von Bühren nach dem Tod von Kaiserin Anna ins Exil gezwungen wurde und er erst 1763 nach Lettland zurückkehrte, um Rundale zu vollenden. Der größte Teil der erstaunlichen Innenausstattung, die wir heute sehen und bewundern, entstand erst zwischen 1765 und 1768, dank der Arbeiten des deutschen Bildhauers Johann Michael Graff und der italienischen Maler Carlo Zucchi und Francesco Martini. Tragischerweise sollte von Bühren nur vier Jahre nach Fertigstellung des Schlossinneren sterben, und mit der Annexion von Kurland durch Russland etwa zwei Jahrzehnte später musste von Bührens Sohn das Schloss abgeben und nach Deutschland emigrieren.

Als Kurland also 1795 Teil von Russland wurde, wechselten die Eigentümer Rundales häufig in den folgenden 200 Jahren. Der Palast wurde sowohl während der Napoleonischen Kriege als auch während des Zweiten Weltkriegs beschädigt. Moderne Restaurierungsarbeiten begannen in den 1970er Jahren und wurden in den Jahren nach der Unabhängigkeit fortgeführt, wobei Rundale nun zu den Standards zurückkehrte, die es einst im 18. Jahrhundert besaß. Die Restaurierung der Schlafkammer und der Garderobe der Herzogin wurde nerst im Jahr 2004 fertiggestellt. Der Arbeitsraum des Herzogs strahlt seit 2006 wieder in altem Glanz; seine Garderobe seit dem Jahr 2008. Und die Billardhalle, einschließlich eines der größten Billardtische in Europa, wurde erst 2011 komplett renoviert. Heute können rund 50 Räume in Rundale besichtigt werden, weitere 90 Räume sind für die Öffentlichkeit derzeit nicht zugänglich. Die Standards der Innenarchitektur sind extrem hoch, obwohl zu bemerken ist, dass viele der originalen Kunstwerke fehlen, da die ehemaligen Besitzer mit den bemerkenswertesten Stücken flüchteten. Dieses war auch der Fall bei von Bührens Sohn Peter, der mehrere Kunstgegenstände mitnahm, als er nach Deutschland zog.

Seit 1972 gibt es ein Museum im Palast von Rundale, und die Besucher können den Rundale entweder auf der "kurzen Route" erkunden, zu der die Prunkräume und ehemaligen Wohnräume des Herzogs gehören, oder auf der "langen Route", zu der auch mehrere der herzöglichen Wohnungen, sowie eine Ausstellungshalle gehören. Das Hauptgebäude des Palais wird von den Wohnräumen des ehemaligen Herzogs von Kurland dominiert. Der östliche Flügel ist für Empfänge und Festlichkeiten zugänglich, und schließt die Staatstreppe, die atemberaubende Goldhalle und den größten der Innenräume im Palast, den Weißen Saal, ein.

Das Schloss ist umgeben von einem wunderschönen barocken Park mit einem Rosengarten im klassischen französischen Gartenstil. Ein künstlicher Kanal durchquert den Park und obwohl der Park über 10 Hektar groß ist, hat Rastrelli es geschafft, ihn mit einem komplizierten Labyrinth von Gassen, Pinien, Springbrunnen und schönen Hainen zu füllen. Im Sommer ist der Park Schauplatz von Festivals, Konzerten und Opernaufführungen.

Rundale ist ungefähr 80 Kilometer von Riga entfernt. Es ist eine einfache Fahrt mit dem Auto via Bauska, aber wenn Sie nicht selber fahren und auch nicht Teil einer Reisegruppe sind, können Sie Rundale mit einem der vielen Busse erreichen, die Fahrt dauert etwa 30 Minuten von Bauska. Es gibt täglich etwa ein halbes Dutzend Direktverbindungen sowie eine ähnliche Anzahl von Bussen, die in Pilsrundale auf dem Weg nach Jelgava und Berstele Halt machen.

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ViaBaltica.de, 25. März 2018